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Sonntag, 21. Februar 2010

Falco, der Sprachkünstler

the sound of musik, herr präsident wir kennen eine
sprache, diese sprache heißt musik
[Falco: The Sound of Musik (1986), zitiert in Kleinschreibung nach Falco. Lyrics Complete, S. 98]
Es gibt keinen Popstar, den die österreichische Literaturwelt verehrt wie Falco (1957-1998). Besonders deutlich machen das zwei neue Veröffentlichungen, beide herausgegeben von Christian Ide Hintze in der Edition "Schule für Dichtung in Wien" (Residenz Verlag). Im letzten Dezember erschien der Band Falco. Lyrics Complete, in dem auf über 200 Seiten ziemlich alle Liedtexte von Falco gesammelt veröffentlicht wurden. Letzte Woche wurde nun Falco's Many Languages präsentiert. Darin enthalten sind Aufsätze von österreichischen Germanisten und Germanistinnen, die sich vorwiegend dem Phänomen der Mehrsprachigkeit in Falcos Texten widmen. In zahlreichen Texten vermischt Falco nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Spanisch, Italienisch und Französisch.
falco war in dieser hinsicht geradezu visionär. ahnte er die "makkaronische" sprache des beginnenden 21. jahrhunderts bereits am ende der 70er jahre voraus? englische wörter sind mittlerweile auch der flexion ganz dem deutschen angepaßt [...]. man mag darüber schimpfen oder die achseln zucken oder sogar erfreut sein - es ist eine tatsache, und falco scheint diesen trend als einer der ersten erkannt zu haben. von den zeitgenossen manchmal verächtlich abgetan als "bisweilen abgeschmackte melange aus pidgin-deutsch [...], heavy metal, rapper-jargon [...] und motown-soul", gilt falco heute als "der erste weiße rapper und erfinder des manhattan-hochdeutsch".
[Peter Ernst: "'Falconisch' - Falco und seine Sprachverwendung", in: Falco's Many Languages, S. 132]
Das Interesse von Literaten an Falco beruht auf Gegenseitigkeit; nicht nur dass jene Falco-Texte vortragen, auch Falco las Texte von Rühm, Artmann, Werfel u.v.a. öffentlich vor. Ein Beispiel, das auf faszinierende Weise sowohl die Verbindung von Falco mit der österreichischen Literatur als auch die Vielsprachigkeit in seinen Texten zeigt, ist Charisma Kommando vom Album Data de Groove [Video in niedriger Qualität]. Die zweite Strophe mit Refrain lautet:
nach karl kraus klagt lust um leid
er meint, ich weiß
der weg zu weit
kein weg zu weit
doch hier bist du niemand mehr
the games of torture, aoh!
it's been the domina's singin'
andiamo
perché non tu ti amo?
vamos!
andiamo
perché non tu ti amo
perché non ti amo, she's a

charisma kommando
charisma kommando
she's gonna be a coldblooded thing
charisma kommando
charisma kommando
it's the domina's swing
[Falco: Charisma Kommando (1990), Falco. Lyrics Complete, S. 130]
Mit Kraus bezieht er sich wohl auf folgende Verse aus dessen Gedicht "Abschied und Wiederkehr":
Leid klagt um Lust, ich klage um das Leid;
nun ist es da, so ist die Lust nicht weit.
[Karl Kraus: Abschied und Wiederkehr (1920)]
Weitere Dauerbrenner von Falco auf Youtube:


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